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Die Vitamin B12 Problematik

Ein heissdiskutierter Mikronährstoff - Vitamin B12

SEI DABEI: Alles rund um das Thema Vitamin B12: wie es gebildet wird, warum es so lebensnotwendig ist und was Du bei den Supplementen beachten solltest.

Beitrag von: Julia | Oktober, 2020 Lesezeit: 4 min


Ein heissdiskutierter Mikronährstoff - dieses Vitamin B12. Die erste Frage, mit der sich ein neuer Veganer herumschlagen muss: «Was? Du streichst die Tiere von Deinem Speiseplan? Wie kommst Du dann an genügend Vitamin B12?».

 

Bevor wir in die Vitamin B12 Problematik einsteigen, machen wir einen kurzen Schlenker zu den Mikronährstoffen.

Mikronährstoffe sind für den Körper essenzielle, lebenswichtige Stoffe, die vor freien Radikalen schützen. Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden, haben jedoch für den Organismus keinen energetischen Wert. In erster Linie zählen zu den Mikronährstoffen Vitamine und Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelemente), doch auch sekundäre Pflanzenstoffe und Aminosäuren gehören dazu. Mikronährstoffe liefern Dir, wie bereits beschrieben, keine Energie (wie Kohlenhydrate, Eiweisse und Fette – unsere Makronährstoffe), sind jedoch unglaublich lebensnotwendig. Ohne Mikronährstoffe würde Dein Körper nicht so wundervoll funktionieren, wie er es heute tut. Das Wort «Mikro» sollte in diesem Zusammenhang gedanklich betrachtet eigentlich über «Makro» stehen, denn ohne die Mikronährstoffe könntest Du die Makronährstoffe erst gar nicht verstoffwechseln.

 

Zurück zu unserer Vitamin B12 Problematik: Vitamin B12 (Cobalamin) steht als Sammelbezeichnung für mehrere Cobalaminverbindungen, die alle in ihrer Ringstruktur das anorganische Spurenelement Kobalt enthalten. Es ist essenziell, sprich muss über die Nahrung zugeführt werden, ist wasserlöslich und empfindlich gegen Licht und Hitze. Es kommt fast ausschliesslich in tierischen Produkten (Fisch, Fleisch, Eigelb, Milch und Milchprodukte) vor. Dieser Power-Mikronährstoff übernimmt wichtige Aufgaben beim Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel und trägt zur Energiespeicherung im Muskel bei. Zellwachstum, Zellteilung und geistige Entwicklung wären ohne Vitamin B12 kaum möglich. Die Reifung der roten Blutkörperchen kann z.B. nicht ohne Vitamin B12 geschehen. Du siehst also, wie wichtig dieser Mikronährstoff ist - vor allem für Kinder.

Wie wird Vitamin B12 gebildet?

Hier kommen wieder unsere kleinen Bakterienfreunde im Dickdarm ins Spiel (s. unser Darmhirn). Vitamin B12 wird durch Mikroorganismen (kleine Bakterien) im Organismus gebildet - bei uns Menschen und bei Tieren gleich. Genauer gesagt geschieht die Bildung im Dickdarm und hier liegt auch das Problem: Das ist «zu spät» im Prozess des Verdauungstraktes und wir können nicht mehr davon profitieren. Dein Körper kann es somit nicht mehr verwerten, weshalb eine Zufuhr über die Nahrung so essenziell ist. Das Vitamin wird also, nachdem es im Dickdarm durch die kleinen Bakterienfreunde gebildet wird, direkt mit dem Kot ausgeschieden. Würden wir unseren Kot essen, könnten wir eventuell den Bedarf decken. Doch das empfehlen wir Dir natürlich weniger. Bei Tieren allerdings, vor allem bei Wildtieren, ist der Genuss von Kot weitaus beliebter. Deshalb ist Wildfleisch auf natürliche Art und Weise nährstoffreicher. Mhm, lecker – Pflanzenkraut mit cremigem Kot-Dip, denkt sich das wilde Reh vielleicht.

Wie gelangen wir an Vitamin B12 ohne Kot zu «futtern»?

Früher waren wildes Obst und Gemüse nicht so klinisch rein, als es heute ist. Damals waren Kotspuren und wichtige Mikroorganismen in den Böden, sowie um die Pflanzen herum, vermehrt angesiedelt. Heutzutage sind die Böden zu sehr ausgelaugt und oftmals zu stark chemisch behandelt, sodass kaum noch derartige Mikroorganismen in den Böden vorhanden sind. Deshalb können auch Tiere, die auf Weiden grasen, sich nicht mehr ausreichend mit Vitamin B12 versorgen. Der natürliche Weg ist grösstenteils gestört. Vitamin B12 ist nicht nur für uns Menschen, sondern auch für Tiere essenziell. Es wird deshalb dem Tierfutter beigemischt. Denn Tiere brauchen diesen lebensnotwendigen Mikronährstoff für ihre Zellteilung ebenso wie wir Menschen. Auf natürliche Art und Weise können auch sie ihren Bedarf nicht mehr decken. Vor allem nicht in kontrollierten Tierhaltungen. Im Fleisch ist Vitamin B12 also nur enthalten, weil es dem Tierfutter beigemischt wird. Unser Körper kann das Vitamin B12 aus dem Fleisch demnach nur entnehmen, weil das Tier als «Wirt» agiert.

 

Der Prozess sieht wie folgt aus:

Tierfutter mit Vitamin B12 angereichert  >  wird vom Tier gegessen  >  Mensch isst das Tier und kann Vitamin B12 aufnehmen

 

Bei diesem Prozess nimmt der menschliche Organismus jedoch weitausmehr, eher kontraproduktive Substanzen vom Tier mit auf, wie beispielsweise zu viel gesättigte Fettsäuren. Es ist bekannt, dass ein zu hoher Fleischkonsum den natürlichen Stoffwechsel stört, sowie den Säure-Basen-Haushalt negativ beeinflusst und die Entstehung chronischer Krankheiten begünstigt.

Eine braune Kuh auf der Weide

Ein gebratenes Stück Fleisch, garniert neben viel buntem Gemüse

Um zurück zur Problematik zu kommen: Bestenfalls lässt man den  «Wirt» – das Tier – einfach weg und supplementiert das Vitamin B12. Diese Empfehlung richtet sich an alle Menschen, denn auch Mischköstler haben aufgrund der komplexen Aufnahmemechanismen oftmals einen Vitamin B12 Mangel. Das liegt nicht daran, dass sie zu wenig Vitamin B12 zu sich nehmen, sondern daran, dass ihr Körper das aufgenommene Vitamin B12 nicht mehr optimal verwerten kann. Beachtenswert ist ausserdem: Je mehr Vitamin B12 eine Mahlzeit enthält, desto weniger kann resorbiert werden.

 

Also liebe Fleischliebhaber: Es bringt leider nichts, wenn ihr an Abenden mehrere Portionen tierisches Eiweiss konsumiert, sondern lieber in Abständen bewusst kleine Mengen zu Euch nimmt. Ganz nach dem Motto: Fleisch ist die Beilage, nicht umgekehrt.

 

Manches Wurzelgemüse und Leguminosen (wie Bohnen, Linsen, Erbsen), die im Erdboden eng mit Bakterien zusammen sind, könnten Spuren von Vitamin  B12 enthalten. Jedoch kann der Vitamin B12 Bedarf durch eine rein pflanzliche Ernährung nicht gedeckt werden.


Was solltest Du bei den Supplementen beachten?

Der Tagesbedarf für den Erhalt des Körperbestandes liegt für den Erwachsenen bei ca. 0,003 mg. Vitamin B12 liegt in unterschiedlichen, chemischen Strukturen vor, darunter Methylcobalamin, Adenosylcobalamin, Hydroxocobalamin und Cyanocobalamin. Das eigentliche Vitamin B12 wird so an ein Trägermolekül gebunden, welches das Vitamin durch Deinen Körper transportiert. Ein kostenloses «Zugticket» durch Deinen wunderbaren Körper mit unterschiedlichen Funktionen der Bioverfügbarkeit (Verwertbarkeit im Körper). Das sehr kostengünstige Cyanocobalamin ist vom Körper viel schlechter verwertbar als das Methylcobalamin. Hersteller von Massen-Präparaten enthalten deshalb meistens synthetisches Cyanocobalamin und promoten mit einem «guten Vitamin B12 Nahrungsergänzungsmittel». Wenn Du bis hier gelesen hast, weisst Du, dass es sich wieder nur um das Profitgeschäft dreht, da Cyanocobalamin viel kostengünstiger ist. Die chemische Form Methylcobalamin hingegen hat eine hohe Bioverfügbarkeit und kann deshalb von Deinem Wunderwerk Körper schnell aufgenommen werden. Es entspricht dem körpereigenen, aktiven Vitamin B12.

Nahrungsergänzung als Tabletten und Kapseln

Hydroxocobalamin ist eine Speicherform des Vitamins B12. Es kann vom Körper zwar nicht ganz so gut aufgenommen werden wie Methylcobalamin, wird dafür aber deutlich besser gespeichert. Die Form Adenosylcobalamin (auch 5-Desoxyadenosylcobalamin) ist in B12-Präparaten auf dem deutschen Markt nur kaum vertreten, was unter anderem durch die komplexe und kostspielige Produktion zu begründen ist.

 

Methylcobalamin ist demnach die beste und natürlichste Variante Vitamin B12 zu supplementieren. Schau Dir also am besten die Zutatenliste und deren Reihenfolge genau an. Wenn Methylcobalamin, 5-Desoxyadenosylcobalamin und anschliessend Hydroxocobalamin auf der Liste steht, ist das Präparat sehr gut geeignet.

Ist ein Bluttest sinnvoll?

Grundsätzlich ist ein Test des Blutbildes einmal pro Jahr sinnvoll. Dabei empfehlen wir den Holo-TC-Wert testen zu lassen. Aktuell wird leider überwiegend zum Ausschluss eines Vitamin B12 Mangels der Serumspiegel gemessen. Dieser inkludiert jedoch auch Vitamin B12, das an Haptocorrin gebunden und somit in Deinem Körper nicht wirksam (aktiv) ist. Daher ist es besser den Holo-TC-Wert (Holo-Transcobalamin-Wert) zu testen. Holo-TC ist ein besserer Indikator für den Vitamin-B12-Status, da man das aktive Vitamin B12 bestimmt. Der Referenzbereich für Holo-Transcobalamin sieht wie folgt aus:

< 35 pmol/l = Vitamin-B12-Defizienz wahrscheinlich

35-50 pmol/ = Graubereich

> 50 pmol/l = Vitamin-B12-Defizienz unwahrscheinlich

 

Jetzt bist Du über die Vitamin B12 Problematik aufgeklärt. Hier findest Du einen Leitfaden, wie Du Dich vollwertig pflanzenbasiert ernährst, ohne einen Nährstoffmangel zu erleiden.

 

Be #triohealthy und achte auf Deinen Vitamin-B12-Spiegel.


Kommentare: 2
  • #2

    Amo (Freitag, 12 Februar 2021 10:20)

    Eben in einer Sprachnachricht von Christine höre ich von ihr, dass sie Probleme mit dem Blutdruck hat (ich hatte ihr schon Euer PDF empfohlen) und gerade auf B12-Test war; obwohl Rossols genug Fleisch essen; ich sende ihr diesen Bericht. Ihr seid so gut in Eurer Recherche, das muss man einfach stetig weiter sagen....Viele Grüsse

  • #1

    Anton (Sonntag, 31 Januar 2021 20:40)

    Sehr interessant! Vitamin B12 ist ein sehr wichtiger Vitalstoff und sollte nicht unterschätzt werden. Macht weiter so!


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